Guten Tag, liebe Freunde des außergewöhnlichen Tees!
Gestatten Sie mir eine persönliche Frage:
Finden Sie nicht auch, dass die Nachrichten,
die uns täglich so frei Haus ins Wohnzimmer
geliefert werden, in letzter Zeit immer extremer,
politische Entscheidungsträger immer seltsamer
werden und sich gleichzeitig das Gefühl
aufdrängt, dass die Welt langsam aber
unaufhaltsam aus ihren Fugen gerät?
Zumindest bei mir ist jener Moment bereits länger erreicht,
in dem ich mir als vernunftbegabte Erwachsene die Frage stelle,
was ich denn persönlich am besten dazu beitragen könnte,
dass all jenes, was sich die aufgeklärte Menschheit in den
letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten mühevoll erarbeitet hat,
noch für ein paar Generationen vorhält.
Der gemeinschaftliche, nachhaltige Gedanke zB,
der das große Ganze in den Vordergrund rückt,
sollte doch immer gewichtiger bleiben,
als jegliches individuelles Interesse?
In diesem Sinne ein Teegeschäft zu betreiben,
ist übrigens wahrlich eine Herausforderung!
Denn unser Produkt ist wohl ein Paradebeispiel für den
täglichen Luxus des reichen Westens auf Kosten einer Vielzahl
an schwer arbeitenden, dafür aber mäßig bezahlten Menschen.
Diese Missstände betreffen zwar nicht alle
Teeanbaugebiete gleichermaßen und natürlich gilt,
dass ein qualitativ hochwertiges Produkt
auch in gewissem Maße ebensolche
Produktionsbedingungen voraussetzt.
Was ich damit aber meine ist, dass wenn es klimatechnisch
möglich wäre, Tee in Österreich zu den hierzulande üblichen
Arbeitsbedingungen zu produzieren,
dieser Tee niemals für eine breite Masse leistbar wäre.
Und da haben wir noch nicht einmal Transportwege oder
Lagerkosten in unsere Rechnung mit aufgenommen.
Gut, Tee ist nicht das einzige Alltagsgut,
das seine Liebhaber regelmäßig zu
Gewissensspagaten herausfordert.
Aber immerhin ein recht prominentes davon.
Grund genug für uns also, bei der Suche
nach einem neuen Schwarztee
unseren Suchradius vom besten Geschmack
zum besten Preis auch auf bessere
Lebens- und Arbeitsbedingungen auszuweiten.
Und das war gar nicht so leicht, denn der Fair-Trade-Gedanke
hat sich abseits der Baumwoll-, Kaffee-, Kakao- und
Bananenproduktion erstaunlich wenig etabliert.
Nun, Schwierigkeiten sollten einen ja niemals
davon abhalten, es nicht trotzdem zu versuchen!
Nachdem der liebgewonnene, aber nun leider
nicht mehr lieferbare Vorgänger ein hervorragender
Schwarztee aus Kenia war, wollten wir dieser
oft sehr unterschätzten Teegegend
nun gerne wieder eine Chance geben.
Wussten Sie etwa, dass Kenia weltweit gesehen das
viertgrößte Teeanbaugebiet ist? Wir hätten das ja niemals
vermutet, denn Tees aus Kenia sind selbst im
spezialisierten Fachhandel maximal ein Nischenprodukt.
Wo landet also die ganze Produktion und unter welchen
Bedingungen mag sie wohl stattfinden?
Die Antwort liegt auf der Hand, wenn wir uns vor Augen halten,
dass 95% der gesamten kenianischen Teeproduktion im Auftrag
einer Firma passiert. Über die jeweiligen Umstände und das
qualitative Endergebnis darf jeder seine eigenen Schlüsse ziehen…
Allerdings wurden wir dieses Mal leider nicht
in Kenia fündig. Dafür aber etwas weiter südwestlich,
in Ruanda!
In diesem kleinen afrikanischen Binnenstaat, der direkt am
Äquator liegt, finden wir tatsächlich perfekte Bedingungen
für den Teeanbau: tropisches Klima, vulkanischer Boden,
ausreichend Niederschläge und genügend sonnige Tage.
Mehr als 87% der ruandischen Ackerböden befinden
sich
in Hochgebirgsgebieten und seine Teeplantagen reichen
bis zu einer Seehöhe von 1800m! Klingt gut, oder?
Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dort die
Teegärten RUKERI als Familienunternehmen
gegründet, in dem man nicht nur Wert auf beste
Teequalität legte, sondern erstmals auch
die soziale Verantwortung den Arbeitern und
ihren Familien gegenüber in den Mittelpunkt
der Geschäftstätigkeit stellte.
So sorgte die Firma nicht nur für eine adäquate
Gesundheitsversorgung und ausreichend (Weiter-)
Bildungsmöglichkeiten, sondern sorgte auch für
die Instandhaltung und den Ausbau des regionalen
Straßennetzes und für erste Umweltstandards.
So wurde etwa bereits in den 1970er Jahren Tee
ausschließlich nach biologischen Kriterien
(also ohne Einsatz von industriellen Düngemitteln)
angebaut.
Das alles klingt doch genau nach dem, was wir gesucht hätten!
Bleibt nur noch die Frage nach dem Geschmack...
Von Beginn an wurde in Ruanda ausschließlich
die China-Teepflanze (camelia sinensis) angebaut,
die hier optimale Wachstumsbedingungen vorfindet.
Ein gutes Ausgangsprodukt und eine sehr sorgfältige
Verarbeitung der geernteten Blätter bringt uns einen
kräftigen, bronzefarbenen Schwarztee in die Tasse,
der überraschend weich und karamellig, sowie
harmonisch süßlich und angenehm röstig schmeckt.
Selbst längeres Stehenlassen quittiert uns dieser
rundum schöne Schwarztee nicht damit,
bitter zu werden! Nicht übel.
...und der Preis?
Der lässt sowohl Sie, als auch mich erfreut grinsen!
Und wir lernen mal wieder:
Ein gutes Produkt erkennt man vordergründig
nicht unbedingt daran, wieviel es kostet!
So lassen Sie uns also gemeinsam daran arbeiten,
nach Möglichkeit die richtigen Güter bei den
richtigen Händlern zu den richtigen Bedingungen
zu konsumieren, um zumindest mit unserem
Einkaufsverhalten der Welt einen
positiven Stempel aufzudrücken!
Ich wünsche uns abseits der weltweiten
Hiobsbotschaften ein überraschend
positives Jahr 2026!
Ihre
Barbara Neumann-Schramböck
